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Nach unten
 
Er steht immer noch da. Mit seinem Blick verfolgt er langsam die feuerrote Sonne, die hinter den Wäldern versinkt. Er fühlt ein schwaches Zittern in den Beinen. Er kämpft dagegen an, obwohl er weiß, dass jetzt jeder zittern würde. Die Tränen stehen ihm in den Augen, wollen vor Angst aber nicht losrollen.
Als er seitlich nach unten blickt, erkennt er eine mächtige Ampfer mit großen dunklen Blättern. Das zarte, kleine Gänseblümchen, das darunter in völliger Einsamkeit und Dunkelheit die letzten Tage seines Daseins fristet, nimmt er nicht wahr. Jetzt löst sich eine Träne ungewollt aus der Menge der Tränen in seinen Augen und fällt. Sie fällt weiter. Er denkt daran, wie es wohl sein würde - sie fällt weiter - und wie es danach sein würde. Sie schlägt auf, was man von hier oben schlecht erkennen kann, aber er spürte es. Am ganzen Körper. Von Kopf bis Fuß. Das Zittern lässt nach, hört auf. Sein Entschluss steht fest. Es wird wunderbar sein. Besser als jetzt. Viel besser! Mit den Augen erfasst er nun den Punkt, an dem die Träne aufgeschlagen war. Sie muss wohl zerbrochen sein, in lauter kleine Tröpfchen. Sie war ja nicht mehr zu sehen. Völlig verschwunden. In einigen Tagen würde sich keiner mehr daran erinnern, als hätte es sie nie gegeben. Sein Blick wandert langsam nach oben, erfasst den violette Himmel. Dann wieder nach unten - zögernd. Sehr langsam. Aber mit klarem Ziel. Wieder nach unten. Nur nach unten. Wie lange würde es wohl dauern, bis ganz nach unten?
Anton Federl, 1998
 
05.06.2020 / 12:16:39
(c) 2020 Anton Federl